Grundlagen

Intention des Projektes ist die Entwicklung einer authentischen Gemeinschaft und das Forschen entlang der Frage, wie viel zeitliche Verbindlichkeit eine Lebensgemeinschaft braucht, um eine sich immer weiter entwickelnde positive Energie und emotionale Nähe aufzubauen. Natürlich kann eine solche Entwicklung niemals linear verlaufen, unser Ziel ist es aber, eine klare positive Entwicklung hin zu diesem Gemeinschaftsgeist zu erreichen, so wie dies in der Geschichte des alten Rabbi aus dem Buch „Gemeinschaftsbildung“ von Scott Peck beschrieben ist.

Für das Gelingen eines Gemeinschaftsprojektes muss die Gruppe eine große Herausforderung bestehen: Sie muss ein ausreichend tragendes Gefäß formen, welches die vielen teilweise sehr schwierigen Themen wie etwa Beziehung und Sexualität halten kann, sodass die Gruppe nicht von unerledigten Prozessen überflutet wird und daran förmlich ertrinkt, um dann entweder im Chaos auseinander zu fallen oder ins Pseudo bzw. in flachere Gefilde zu fliehen.

In einem Workshop bleiben die Teilnehmer für einen bestimmten Zeitraum zusammen, sodass die Prozesse ihren Raum haben und die Themen bis zu ihrer Auflösung oder zumindest einem guten Punkt bearbeitet werden können. Ein ähnliches Grundprinzip gilt wahrscheinlich auch für eine intensive Gemeinschaft, es muss also auch hier viel  Zeit in den Gruppenprozess investiert werden. Einen Konsens hinsichtlich des zeitlichen Umfanges zu erreichen und aufrecht zu erhalten ist alles andere als einfach. Viele schreckt die notwendige Verbindlichkeit und die hohe zeitlichen Beanspruchung ab. Aber wenn wir wirkliche Gemeinschaft leben wollen, müssen wir diesen wohl unumgänglichen Preis zahlen, umsonst gibt es sie nicht. Auch ein Zuviel an Gemeinschaft, welches zu wenig Zeit für Individualität und Alleinsein lässt, ist möglich. Dies birgt dann auch die Gefahr eines Abrutschens in Richtung Sekte, Guru und Ideologie. Ken Wilber hat in seinem Buch  „Eros, Kosmos, Logos: Eine Jahrtausend-Vision“ die richtige Balance zwischen Eingebundensein und Freiheit sehr gut und ausführlich beschrieben. So führt jede Körperzelle ihr Eigenleben und ist gleichzeitig eingebunden in das Gesamtsystem des Körpers. Im Moment gibt es in unserer Gesellschaft zu viel Individualität, ist das Eingebundensein in das Ganze aus der Balance geraten. Die Umwelt und der Mensch leiden, weil wir über unsere gewonnene Freiheit das Verbundensein miteinander und unserer Umwelt verloren haben. Es braucht mehr Gemeinschaft, ein tieferes Bezogensein aufeinander und auf das Ganze. Und das bedeutet entsprechende Veränderungen im Alltag, im täglichen Leben.

Wenn wir wirklich sicher gehen wollen, dass dieser besondere Gemeinschaftsgeist entsteht, liegt der notwendige zeitliche Aufwand nach den bisher gewonnenen Erkenntnissen langfristig wohl bei 3-4 Abenden pro Woche (19 - 22 Uhr).

Das Projekt im Schloss Oberbrunn ist gestartet mit Gemeinschaften auf Zeit, aus denen sich allmählich eine feste Gemeinschaft aus Menschen, die intensive Gemeinschaft auch für eine längere Zeit leben möchten, entwickeln kann. Da das Projekt finanziell auf einem soliden Fundament steht, kann sich dieser Prozess in aller Ruhe entfalten.

Es gibt außerdem die finanziellen Möglichkeiten,  bis zu 10 Personen auf einem (niedrigen) Gehaltsniveau  zu beschäftigen. So könnten kleinere Teams entstehen, die mit 20 bis 30 Stunden pro Woche  für das Seminarhaus, das Organisieren von Workshops in Deutschland oder aber auch für Umweltschutzprojekte arbeiten  - es gibt so viel zu tun!

Geplant ist außerdem, eine Ausbildung für das Gestalten intensiver Gruppenprozesse anzubieten. Notwendigkeit von und Nachfrage nach wirklicher Gemeinschaft sind in unserer Gesellschaft sehr groß, viele emotionelle Probleme sind auf einen Mangel an Gemeinschaft und wirklicher Begegnung zurück zu führen. Daher erhalten Kompetenzen in der Gestaltung und Pflege einer authentischer Gemeinschaft eine zentrale gesellschaftliche Bedeutung.

Zentrales Element unseres Projektes ist die Gemeinschaftsbildung nach Scott Peck (Wir-Prozess). Hier sprechen wir über das, was uns wirklich bewegt. Es geht auch darum,  sich den eigenen Gefühlen zu stellen, „Ja“ zu sagen auch zu den schwierigen Gefühlen. Der Weg ist oft steinig, aber gerade auch das Fühlen, Annehmen und Aussprechen von schwierigen Gefühlen birgt eine Heilung.

Es gibt in der schamanischen Tradition den Weg des Kriegers, der darin besteht, ein pures Leben zu führen, möglichst auf jegliche Ablenkung (kleine und größere Süchte, Trostpflaster) zu verzichten. Damit bauen wir Energie auf. Außerdem bekommen die schwierigen Gefühle durch den Verzicht auf Ablenkung mehr Raum, die Gefühle können sozusagen nachwachsen und erwachsen werden. Es ist nicht einfach, so ein Leben ohne „Knautschzone“ zu leben, die Gefühle können intensiv sein und bedrohlich erscheinen. Besonders die Einsamkeit testet immer wieder, ob wir wirklich bereit sind, sie zu nehmen. Aber dadurch gewinnen auch die angenehmen Gefühle an Stärke. Ein blühendes Leben in wirklicher Fülle erreichen wir nur, wenn wir auch den Schattenseiten ihren Raum geben.



Die Gemeinschaftsbildung ist eine wichtige Möglichkeit, sich gegenseitig auf diesem Weg zu unterstützen. Wenn wir ihm folgen, gewinnt das Leben mit der Zeit immer mehr Klarheit. .